Die Print-Branche leidet. Bei den meisten Zeitungen sinkt die Auflagenzahl kontinuierlich - so auch beim “Vlothoer Anzeiger”. Die Tageszeitung aus der Nähe meiner Heimatstadt (Bad Oeynhausen) hat nun angekündigt, ihre Print-Ausgabe einzustellen. Ab Juli dieses Jahres will die Zeitung ihre Leser über den Internet-Auftritt informieren, monatlich soll es außerdem eine gedruckte Ausgabe geben. Beide Angebote seien kostenlos, erklärten die Verleger.
“Letztlich hören wir nur auf, täglich Papier zu bedrucken. Unseren journalistischen Anspruch geben wir ebenso wenig auf wie den publizistischen Wettbewerb am Standort. Wir führen ihn nur mit anderen Mitteln fort”, erklärt Verlagsleiter Carsten Lohmann. Am 30. Juni werde der “Vlothoer Anzeiger” zum letzten Mal als gedruckte Tageszeitung verkauft, danach lege man den Schwerpunkt auf die Webseite der Zeitung.
Die Gründe für das Aus der Tageszeitung sind die immer weiter zurückgehenden Auflagenzahlen. Das gibt man auch beim “Vlothoer Anzeiger” offen zu, zuletzt habe die Auflage bei nur noch 1.500 Exemplaren gelegen.
2004 hatte die J.C.C. Bruns Betriebs GmbH den “Vlothoer Anzeiger” übernommen und auf eine tägliche Erscheinungsweise umgestellt. Zuvor erschien das Blatt zweimal pro Woche. Um diese Veränderung zu stemmen, wurde die Redaktion laut eigenen Angaben kräftig ausgeweitet. Außerdem wurde “erheblich in die technische Herstellung investiert und intensive Leserwerbung betrieben”. Letztlich führte diese Strategie aber nicht zum Erfolg.
“Leider war diesem publizistischen und finanziellen Kraftakt nicht der wirtschaftliche Erfolg auf Leser- und Anzeigenmarkt beschieden, der eine Basis für ein dauerhaftes Erscheinen in dieser Form hätte bieten können”, so Verleger Sven Thomas. Hinzu kam, dass “aufgrund der historischen Wettbewerbssituation am Ausnahmemarkt Vlotho” nur ein Vertriebspreis zu erlösen war, der “mehr als 50 Prozent” unter den sonst in der Region üblichen Abo- und Einzelverkaufspreisen lag.
Ob sich das Modell einer Online-Zeitung mit monatlicher Druckausgabe lohnen wird, kann man jetzt freilich noch nicht sagen. Beide Angebote sollen den Lesern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Es ist also auch ein Test, ob die lokalen Werbekunden dazu bereit sind, für Reklame im Internet zu zahlen. Vielleicht sind sie nicht der Meinung, dass die Zeitung einfach nur aufhört “Papier zu bedrucken”. In jedem Fall wird es nicht einfach für das Blatt, sich dauerhaft am (Online-)Markt zu halten.
Der Verlags- und Redaktionsstandort Vlotho wird aufgegeben. Die Mitarbeiter sollen aber aus Minden weiterarbeiten. Erstmals erschien der “Vlothoer Anzeiger” 1906.
Weiterführende Links
- “Vlothoer Anzeiger” wird Netz-Zeitung (Vlothoer Anzeiger)

Reblogged this on Ich sag mal.
[...] “Vlothoer Anzeiger verabschiedet sich ins Netz”: In letzter Zeit hat die Diskussion um Paywalls und neue Geschäftsmodelle für Zeitungswebsites ja auch in Deutschland wieder an Fahrt gewonnen. Selten aber hat sich hierzulande eine Tageszeitung zu so einem radikalen Schritt entschieden wie der Vlothoer Anzeiger, der in Zukunft statt täglich nur noch einmal im Monat gedruckt erscheinen wird – und seine Leser ansonsten ausschließlich über das Netz informieren will. Der richtige Weg? [...]
Lieber Timo, kleine Nachhilfe in Sachen Grammatik: Der VA ist eine Zeitung, also weiblich (die Zeitung). Deswegen kann sie nicht “seine” Print-Ausgabe einstellen – wie Du gleich zwei Mal schreibst – sondern allenfalls “ihre” Print-Ausgabe.
Grüße von einem alten Hasen der Branche!
Vielen Dank für den Tipp, ist ausgebessert ;)
[...] Niemeier: »Vlothoer Anzeiger« verabschiedet sich ins Netz (vom [...]